Vernissage 22. Juni 2005

Prof. Heinz Schillinger

schillinger

Heinz Schillinger (*27. 07. 1929, † 17. 02. 2008) wurde in Nürnberg geboren, machte später beim Sebaldus-Verlag eine Ausbildung zum Retuscheur und studierte anschließend Grafik/Design an der Nürnberger Kunstakademie. Seine berufliche Karriere startete er ebenfalls in seiner Lieblingsstadt. Dank der früh entdeckten künstlerischen Begabung gelang es ihm, gleich in mehreren Bereichen große Erfolge zu feiern. Heinz Schillinger war zunächst ein gefragter Grafiker mit eigener Werbeagentur, die er bereits im Alter von 30 Jahren gründete. Über Nürnberg hinaus bekannt wurde er durch Werbeplakate (z. B. zum Nürnberger Christkindlesmarkt) und besonders prägnante Firmensignets (z. B. der Knopf von Wöhrl, der Büffel im Firmenlogo der Spielwarenfirma Big).
Die kleinsten grafischen Werke Schillingers hatten die größte, ja sogar weltweite Verbreitung. Knapp 400 Briefmarken stammen aus seiner Feder, dabei reicht die Bandbreite seiner Motive von Blumen und Pflanzen über Schiffe, Eisenbahnen, Autos, Motorräder (historische Fahrzeuge), Städteansichten bis hin zu wunderschönen Miniaturlandschaften. Sein „Limburger Dom“ wurde 1989 vom Weltpostverein zur „schönsten Briefmarke der Welt“ gekürt. Nur wenige Tage vor seinem Tod erschien seine letzte Briefmarke: „1000 Jahre Dorfkirche Bochum-Stiepel“.
Sehr wichtig für die Veranstalter dieser Ausstellung war Schillingers zweite Karriere, die ihn zu einem äußerst beliebten Professor an der Nürnberger Akademie der bildenden Künste machte.
Er war ein Lehrer, im besten Sinn des Wortes. Schillinger vermittelte solide Zeichenkenntnisse, stellte seinen Schülern Aufgaben, forderte Leistung und konkrete Ergebnisse. Wer mit seinen Werken vor den kritischen Augen Schillingers bestehen wollte, musste imstande sein, das gewählte Motiv so zu zeichnen, dass es als solches absolut treffend war.

Bei aller Geradlinigkeit und gelegentlichen Strenge, was die Bewertung von Zeichnungen anbelangte, war Heinz Schillinger doch ein durchweg großmütiger Mensch. Seinen Studenten bot er so oft wie möglich die Gelegenheit, lebendige und natürliche Motive zu entdecken. Neben regelmäßigen Aktzeichenstunden, bei denen er jeweils selbst mitzeichnete, gab es wöchentliche Ausflüge ins fränkische Umland, in erster Linie zum Malen und Zeichnen in und vor der Natur, häufig aber zusätzlich auch zur geselligen Einkehr in fränkische Wirtshäuser, in die Schillinger, ein Liebhaber fränkischer Küche und Brautradition, seine Schüler einlud.
Für Heinz Schillinger war das Malen ein elementares Grundbedürfnis und eine Patentlösung für alle Unwägbarkeiten des Lebens. Er zog aus, um zu malen, wenn er sich von Arbeitsstress erholen wollte, wenn er seine Ruhe haben wollte und erst recht dann, wenn er guter Laune war und etwas unternehmen wollte. Beim Auswählen der Bilder dieser Ausstellung erläuterte die Tochter des Künstlers zu einigen Bildern die Hintergründe ihrer Entstehung. Clarissa Schillinger sieht vielen der Landschaftsbilder ihres Vaters recht genau die Stimmung an, in der sie gezeichnet wurden.
Da Schillinger sein gesamtes 78jähriges Leben in Franken zu Hause war, gibt es viele fränkische Motive unter seinen Gemälden, wie z. B. den Hopfenspeicher in Spalt auf der Einladungskarte zur Ausstellung. Glücklicherweise war Schillinger aber auch stets sehr neugierig auf fremde Landschaften und Städte. So dürfen Sie in unserer Ausstellung auch nordische Leuchttürme, südländische Dörfer, majestätische Burgen, bizarre Schlösser und herrschaftliche Städteansichten aus dem Ausland bewundern.

Der Mensch Schillinger war großzügig, entsprechend sind auch seine Bilder angelegt. Kleine Kunstwerke gibt es, von den Briefmarken natürlich abgesehen (Originalzeichnungen etwa DIN A4), nur sehr wenige. Die meisten Bilder bleiben mit passender Rahmung zwar knapp unter einem Quadratmeter, sind aber für direkt in der Natur gezeichnete Bilder doch eher groß.
Schillingers Landschaften sprechen in erster Linie das Gefühl, die Seele der Menschen an. Während man gerade den Zeichnungen von alten Bürgerhäusern (z. B. Häuserzeile einer Strasse in Gent) oder den wohlkonstruierten, detaillierten Abbildungen fränkischer Fachwerkbauten anmerkt, dass er sein graphisches Handwerk perfekt beherrschte, bringen die Wahl seiner Bildausschnitte, die Farbabstimmung und die Details in der Darstellung der landschaftlichen Umgebung sehr viel Wärme in die Bilder. Ihre Ausstrahlung vermittelt dem Betrachter ein angenehmes Wohlgefühl und kann auf besondere Weise sogar glücklich machen.
Schillinger malte ausschließlich das, was er mochte. Er produzierte niemals Kunst, um zu provozieren oder gegen irgendetwas zu rebellieren. Er malte aus Freude am Malen und aus Liebe zu seinem Lebensumfeld. Es gelang ihm dabei in einzigartiger Weise seine Sinneseindrücke so lebendig darzustellen, dass man beim Betrachten und unweigerlichen Versinken in einer typischen „Schillinger-Landschaft“ das Gefühl hat, die Geräusche der italienischen Gasse zu hören, die Wärme des Sommerabends im fränkischen Dorf zu spüren oder den typischen Grasgeruch von durch die Sonne erhitzte Wiesen wahrzunehmen. Vor allem die Landschaftsmotive vermitteln dem Betrachter eine Ruhe und Friedlichkeit, die sich sonst nur beim Spaziergang in der Natur einstellt. Schillingers Bilder in Ruhe zu studieren, ist eine angenehme Möglichkeit, Urlaub zu machen ohne zu verreisen.

Eine Art Zeitreise kann man erleben, wenn man sich mit den Bildern aus den Fünfziger Jahren beschäftigt, die exakt im Stil dieser Zeit, aber auch in der Schillinger-eigenen Art mit einem Sinn für das ausschlaggebende lebendige Element einer Umgebung gezeichnet sind. Eine Hinterhofszene mit einem Sammelsurium an Handwerkerutensilien wirkt heiter frisch durch die typischen oft in 50er-Jahre- Tapeten, -Tischdecken und eben -Bildmotiven verwendeten Pastelltöne. Aus dieser Epoche stammt auch eine besondere Rarität: eine in eleganten Tuschestrichen gezeichnete Dame im roten Sessel, die direkt einem Unterhaltungsfilm mit Peter Kraus entstiegen sein könnte.
Ein Teil der Schillinger Landschaften hat, was die Farbwahl anbelangt, beinahe expressionistische Züge: Englische Landhäuser und Bäume erstrahlen in schrillen Farben unter einem nicht minder farbig leuchtenden Himmel. Um die Stimmung eines Motivs einzufangen, verwendete der Künstler nicht ausschließlich naturgetreue Farbtöne, er entschied sich oft auch für eine Kolorierung, die der Atmosphäre am besten entsprach, getreu der Leitlinie, dass ein Bild nicht einfach der Wirklichkeit ähnlich sein soll, sondern das Wesentliche, das ganz eigene, Sinn- und Charakter gebende Element herauskommen muss. Bei allen Bildern dieser Ausstellung ist es Heinz Schillinger perfekt gelungen, seinen eigenen Maßstäben gerecht zu werden. Ganz gleich, ob man nun diese Malrichtung oder einen ganz anderen Stil persönlich bevorzugt, die Nahbarkeit und positive Energie der Bilder kann jeder spüren, der sich in das Werk Schillingers vertieft.
Von Clarissa Schillinger, die Ihrem Vater sehr nahe

dr. radu + partner
0911 - 5192519

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der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen