Narbenkorrektur

„Ich habe eine hässliche Narbe...“, „bleibt nach der Operation eine Narbe...“. Das sind der Äußerungen, die Sie sicherlich schon einmal gehört haben. Nicht besonders positiv und auch nicht ermutigend. Wir verbinden alle mit Narben etwas unangenehmes, entstellendes oder missglücktes. Ist es wirklich so? Um das besser verstehen zu können, möchten wir Ihnen erklären, was eine Narbe ist.

Jede Art von Gewebe in unserem Körper besteht aus Zellen, die als Einheit ganz bestimmte Funktionen erfüllen. Dies trifft für Ihre Organe, Knochen oder Ihre Haut zu. Wenn dieses Gewebe durch eine Verletzung oder eine Operation in seiner Kontinuität unterbrochen wird (Knochenbruch, Schnitt, Operationswunde etc.) setzen glücklicherweise sofort die Reparaturmechanismen des Körpers ein. Nur so kann eine Heilung erfolgen. Bleibt dies aus, was z.B. bei Schwerstkranken sein kann, so kann das Gewebe nicht verheilen. Das hat zur Folge, dass Knochenbrüche nicht fest werden oder Wunden lange Zeit offen bleiben. Also freuen wir uns, dass im Normalfall unser Körper alles reparieren kann.

Im Rahmen des Heilungsprozesses produzieren bestimmte Zellen an der „schadhaften“ Stelle Bindegewebe, um so den Defekt zu reparieren. Das ist die Narbe, die entsteht. Wenn diese Zellen ihre Aufgabe erfüllt haben, die Wunde also „verklebt“ ist, hören sie in der Regel auf, Bindegewebe zu produzieren. Die Narbe reift in den folgenden Wochen und gewinnt an Festigkeit. Nach mehreren Monaten erreicht sie die Festigkeit von normalen Gewebe.

Unter bestimmten Umständen kann es aber sein, das diese „Reparaturzellen“ zu viel Narbengewebe produzieren. Die Gründe dafür sind vielfältig, häufig ist auch eine genetische Komponente dafür verantwortlich. In solchen Fällen „wuchert“ die Narbe. Das nennt man eine hypertrophe Narbe. In seltenen Fällen kann diese Narbenwucherung derart stark sein, dass das Narbengewebe deutlich über die Wundränder wächst. Dann spricht man von einem Keloid. Vereinfacht gesagt fehlt den Zellen das Signal, wann genug ist und sie aufhören sollten.

Wie kann man das verhindern bzw. Abhilfe schaffen? Eine schonende Technik und die sorgfältige Handhabung des Gewebes bei der Operation sowie eine äußerst feine und akkurate Naht beim Wundverschluss sind unabdingbare Grundvoraussetzungen, um einen guten Heilungserfolg zu ermöglichen. Es gibt aber auch Fälle, wo dies nicht möglich ist, z.B. wenn eine Quetschverletzung vorliegt, das Gewebe bestrahlt wurde oder Begleiterkrankungen sich negativ auf den Heilungsverlauf auswirken.

Nach der primären Heilungsphase werden Sie von uns angeleitet, wie Sie Ihre Narben pflegen sollten, um einer überschießenden Narbenbildung entgegenzuwirken. Hierbei ist die regelmäßige Anwendung von rückfettenden Salben, speziellen Narbencremes und Silikonwundauflagen erforderlich. Sollte die Narbe trotzdem nach mehreren Wochen und Monaten rötlich, erhaben und juckend sein, sind weitere Maßnahmen erforderlich. Hierbei wird ein länger anhaltendes Cortisonpräparat direkt in die Narbe eingespritzt. Die Mengen sind sehr gering, die Behandlung streng auf die Narbe limitiert und die Wiederholungsintervalle nur ca. alle 6 Woche, so dass Sie mit keinen systemischen Nebenwirkungen rechnen müssen. Zusätzlich ist eine Druckbehandlung (Kompressionsbehandlung), meist mittels eines speziell hierfür angefertigten Mieders und die Auflage von Silikonstreifen für eine bessere Druckverteilung erforderlich. Diese Behandlungen müssen, je nach Heilungsverlauf, mehrere Monate durchgeführt werden. Nur so kann sich das überschießende Narbengewebe zurückbilden.

Sollte auch dies nicht zum Erfolg führen, können Narben abgeschliffen oder operativ entfernt werden. Ein Abschleifen (Dermabrasion) entfernt nur die oberflächlichsten Schichten und eignet sich dadurch bei eher flächigen und wenig erhabenen Narben wie z.B. nach Verbrennungen. Bei der operativen Entfernung wird die gesamte Narbe ausgeschnitten und der Defekt entweder direkt oder mittels sog. Z-Plastiken verschlossen. Bei besonders hartnäckigen Narben, bei denen bereits mehrere Korrekturen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben, ist u.U. eine sofortige Bestrahlung der Haut nach der Operation erforderlich, um so die „reparaturfreudigen Zellen“ einzudämmen.

Ganz anders verhält es sich, wenn unzureichend viel Bindegewebe produziert wird und die Narbe breit und eingesunken ist (sog. atrophe Narbe oder „schwaches Bindegewebe“). Sollten hierfür vor einer Operation Anzeichen bestehen, z.B. in Form von Hautrissen oder Schwangerschaftsstreifen, so muss von einer allgemeinen Bindegewebsschwäche ausgegangen werden. In diesen Fällen ist es außerordentlich wichtig, das umliegende Gewebe auch lange Zeit nach einer Operation mit einem Spezial-BH oder einem Mieder zu unterstützen, um die Narbe zu entlasten.

Stark verbreiterte Narben müssen operativ entfernt werden. Nach der Korrektur spielen die besondere Narbenpflege und die Zugentlastung der Narbe eine besonders wichtige Rolle. Eingesunkene Narben können mit Hyaluronsäure (siehe Kapitel Faltenbehandlung – Hyaluronsäure) oder Eigenfett (siehe Kapitel Faltenbehandlung – Eigenfett) unterspritzt werden.

Wie Sie sehen, sind Narben ein „notwendiges Übel“ im Rahmen des Heilungsprozesses. Operationen ohne Narben gibt es nicht, ebenso wenig wie „unsichtbare“ Narben. Manche verheilen schön, manche weniger. Sollte jedoch einmal die Narbe nicht ganz so geworden sein, wie Sie es sich wünschen, stehen wir Ihnen von Anfang an zur Seite und können damit den Zustand sicherlich verbessern.

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